Das Mädchen und der Bote

Jeden Morgen trafen sie sich am Brunnen. Eine Mädchenclique. Wobei: Viel Clique war da nicht. Es gab nur eine Handvoll von ihnen. Sie waren zwischen 14 und 16 und lebten noch bei den Eltern. Waren also noch nicht verheiratet. Worden. Die Mutter schickte sie jeden Morgen zum Wasserholen.

Rivka und Sara waren wie immer als erste da. Hatten es auch nicht so weit zum Brunnen.

„Alter, ist das heiß!“ stöhnte Rivka. „Wird es echt schon wieder Frühling?“

„Ich glaub ja eher, dein Körper spielt wieder verrückt!“ zog Sara sie auf.

„Hör mir auf damit! Kann ich was dafür? Mal schwitze ich und mal ist mir kalt, und dann kommen die Bauchschmer-“ sie wimmerte und hielt sich die Hüfte.

„Schon wieder?“ fragte Sara.

„Ich hab echt keine Ahnung, wie viele Tage es dauert. Völlig unregelmäßig.“

„Wie oft hattest du sie denn schon?“ fragte Sara.

„Viermal.“

„Wird sich noch einpendeln. Dann weißt du wenigstens, wann du mit dem Ärger rechnen musst. Aber guck mal. Da kommt Mariam. Wie immer ein bisschen später.“

Von der anderen Ecke des Platzes näherte sich ein schwarzer Lockenkopf mit einem Mädchen drunter. Sie wippte vor sich hin, den Wasserkrug trug sie lässig in einer Hand. Kaum war sie in Hörweite, rief sie:

„Shalom, Ladies! Was geht?“

„Shalom, Mariam. Du bist ja wieder gut drauf“, antwortete Sara.

„Der Hinweg ist immer leichter, und nach dem Rückweg kann ich mich ausruhen.“

„Ich weiß gar nicht, ob ich den Rückweg schaffe“, keuchte Rivka.

Mariam blickte sie nur kurz an und fragte: „Schon wieder?“

Rivka nickte bloß.

„Besser, du gewöhnst dich dran. Wird noch oft genug vorkommen“, meinte Mariam.

„Du hast gut reden“, sagte Sara, „Bei dir ist es ja bald erstmal wieder vorbei mit jedem Monat.“

„Was willst du damit sagen?“ fragte Mariam, ein bisschen spitz.

„Hört man doch immer wieder. Kaum ist eine verheiratet worden, wird sie schwanger, kriegt ein Kind nach dem andern. Und dann ist es mit diesen Schmerzen erstmal vorbei.“

„Und du meinst, bei mir läuft das auch so, oder was?“

„Ich will ja nichts sagen, aber deine Mutter hat’n guten Geschmack. Dein Zukünftiger ist Zimmerer, jeden Tag auf dem Bau.“

„Und?“

„Der dürfte körperlich fit sein, oder?“ Sara grinste, selbst Rivka kicherte leise, Mariams braunes Gesicht wurde noch ein bisschen dunkler.

„Kann ich nichts zu sagen. Josef ist schon okay. Aber eins nach dem andern.“

„Ist dir das peinlich, Mar?“ lachte Sara.

„Gar nicht, ey. Ist nur … naja … anders. Bald komme ich nicht mehr morgens zum Brunnen. Die Ehefrauen haben andere Zeiten, und die Mütter erst. Und wenn wir uns doch sehen, wollt ihr bestimmt nur wissen, wie es so ist.“

„Es?“

„Das Eheleben!“ betonte Mariam etwas zu genau.

„Hast du etwa Schiss, Mariam?“

Mariam nahm eine Handvoll Sand vom Boden und warf sie Sara gegen die Brust. Die Augen blitzten, aber sie lachten sich an.

„Ich hab doch keinen Schiss, Sara.“

„Mariam hat vor nichts Angst, Rivka!“ rief Sara.

„Klar!“ lächelte Rivka.

„Doch schon“, gestand Mariam. „Ich hab Angst vor dem, was kommt. Weil ich’s nicht kenne. Ich meine, ich will schon gern irgendwann selber Mutter sein. Aber wieso hat der Allmächtige“

„Gepriesen sei er!“ warf Rivka ein.

„Gepriesen sei er“, erwiderte Mariam, „Warum hat er es so schwierig gemacht?“

„Genau, ey!“ meinte jetzt wieder Sara. „Wisst ihr, wie viele Mütter bei der Geburt sterben?“

„Und manche überleben, aber dann stirbt das Kind“, flüsterte Rivka.

„Auch scheiße!“ brummte Mariam. „Da hast du einen Menschen 9 Monate in dir getragen, und dann siehst du, wie er stirbt.“

„Kann manchen auch noch passieren, wenn das Kind groß ist.“

„Ja, wenn er sich mit den Römern anlegt. Sollte man nicht machen.“

„Sei nicht so streng. Sie wollen unser Volk befreien!“ rief Sara. „Rivkas großer Bruder ist auch dabei.“

„Dann soll er aufpassen. Die meisten kommen nicht wieder. Und dann, Rivka, wird dein Mann den Besitz deiner Eltern erben.“

„Ich hab ja noch nicht mal nen Mann.“

„Kommt noch.“

„Weiß gar nicht, ob ich das will“, meinte Rivka. „Ich meine, Geburt, Lebensgefahr, fett werden, und das mit dem Mann, muss das sein? Warum hat der Allmächtige“

„Gepriesen sei er“, sagten die drei im Chor.

„Warum hat er es so eingerichtet?“

„Angeblich finden einige Frauen es ganz schön“, meinte Sara.

„Aber andere nicht!“ schnappte Rivka. „Ich will nicht sagen, dass der Allmächtige, gepriesen sei er, ungerecht sei. Aber…“ sie schweig, und setzte nach einer Weile hinzu: „Da blute ich lieber einmal im Monat.“

„Jetzt übertreib mal nicht, Riv!“ sagte Mariam. „Wir helfen dir jetzt erstmal deinen Krug nach Hause tragen, und dann ruhst du dich’n bisschen aus.“

Sie fasste Rivkas vollen Krug mit der einen Hand am einen Henkel. In der andern hielt sie ihren eigenen leeren Krug. Rivka hob ihren am anderen Henkel.

 

„Kinder bekommen ohne Mann, das wäre was, oder?“ feixte Mariam auf dem Weg.

„Mach keine Witze!“ sagte Rivka leise. „Ich weiß nicht, wie genau es eingerichtet ist, aber dass es ohne diese Sache mit dem Mann nicht geht, weiß jede Frau.“

„Und stell dir mal vor, Mar“, warf Sara ein, „du hast auf einmal einfach so ein Baby im Bauch.“

„So wie in dem alten Text, ne?“ Mariam richtete sich auf und rezitierte, wie auf einer Bühne: „Eine Jungfrau ist schwanger!“ Die drei kicherten.

„Ist angeblich auch gar nicht so gemeint“, sagte Rivka. „Das alte Hebräisch ist nicht so eindeutig, und die Griechen sollen dann erst die Jungfrau draus gemacht haben.“

„So genau kann ich nur unser Aramäisch“, meinte Mariam. „Wozu soll ich andere Sprachen lernen, wenn ich später doch nur zu Hause bin und Kinder kriege.“

„Aber Griechisch ist wichtig, das kann jetzt jeder“, erwiderte Rivka, „Spricht dein Josef bestimmt auch.“

„Aber nun stell dir mal vor, du erwartest ohne Mann eins“, beharrte Sara.

„Das würden die Männer nicht lustig finden! Frauenbefreiung!“ rief Mariam, ein bisschen zu laut. Das Echo kam von der Hauswand zurück.

„Aber vor allem würde dir keiner glauben.“

„Stimmt!“ Mariam wurde verlegen. „Ey, die steinigen mich oder so was Krasses!“

„Das vielleicht nicht gleich, aber wenn’s kein Sohn wird, kannst du die Altersabsicherung vergessen. Dann wärst du ausgestoßen.“

„Auch nicht so cool. Dann doch lieber mit echtem Vater.“

Sie waren angekommen. Rivka trug den Krug das letzte Stück ins Haus, Sara ging mit ihrem Krug noch ein Stück weiter.

Mariam kehrte zum Brunnen zurück, um ihren Krug zu füllen. Sie blickte zur Sonne.

„Alter, wie spät am Tag ist es schon“, murmelte sie. „Da wird Mutter sicher denken, ich hätte mich heimlich mit Jo getroffen. Peinlich“, aber sie grinste dabei. Als er vor ihr stand.

Wo er hergekommen war, wusste sie nicht. Sie konnte sonst Schritte hören. Er sah nicht schlecht aus, vertraut, aber auch fremd. Aber vor allem kam er praktisch aus dem Nichts.

Mariam stand wie angewurzelt da. Oder wie man dort sagte: „Wie Lots Frau“. Da sprach er zu ihr: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“

„Was geht denn hier ab?“ brach es aus ihr heraus. Und dann sprach sie leise zu sich selbst: „Das muss die Sonne sein, ey. Was ist das bitte für ein seltsamer Gruß? Und wer ist der Typ überhaupt? Was mache ich hier?“

Und sie tat, was jedes Mädchen in Nazareth und anderswo getan hätte: Sie ließ den Krug stehen und rannte davon. Die Straßen der Stadt kannte sie wie keine andere. Links an der Werkstatt vorbei, zwei Häuser weiter, wieder um eine Ecke, neben dem Schafgatter rechts, „Das muss die Sonne sein, was sonst?“ keuchte sie, jetzt immer geradeaus bis zur Synagoge und dann… Da stand er vor ihr.

Sie bremste so stark, dass sie hintenüber in den Staub fiel. Ich muss schnell aufstehen, dachte sie, sonst wird er-

„Fürchte dich nicht, Mariam, du hast Gnade bei Gott gefunden“, sagte er.

„Die brauch ich jetzt auch, glaub ich!“ murmelte sie leise vor sich hin, während sie sich aufsetzte. Aber wieso kennt er meinen Namen?

„Siehe“, sagte er, und sie sah ihn an. Das war kein gewöhnlicher Mensch. Aber er war auch keine Einbildung, das merkte sie. Er öffnete wieder den Mund:

„Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.“

Mariam blinzelte. Die Worte, die sie sagen wollte, drehten sich in ihrem Kopf. Aus ihrem Mund kam nichts, aber dieser Gottesbote, oder was immer es war, sprach weiter.

„Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“

„Okaaaay…?“ murmelte Mariam. „Aber wie soll das gehen? Dazu hätte ich doch mit einem Mann, also, und ich wüsste nicht, also ich hab noch nie …“

Der Bote streckte die Hand zu ihr aus. Sie griff danach. Stand vorsichtig auf. Sie blickte sich um. Der Fluchtweg nach hinten war frei. Aber was würde das nützen? Also versuchte sie, ihn fragend und herausfordernd anzublicken. Ob es ihr gerade gelang, würde sie nie erfahren. Denn der Bote antwortete:

„Der heilige Geist wird über dich kommen…“

„Ruchah, äh, die Ruach?“ verbesserte sich Mariam schnell. Das Hebräisch der Mütter und Väter aus den Schriften fühlte sich richtiger an als ihr Alltagsaramäisch. Bei diesem Wesen. Und bei diesem Thema. „Krass!“ setzte sie hinzu

„… und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“

„Oh!“

„Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“

„Sohn Gottes gleich? Hätte Messias fürs Erste nicht gereicht? Nee, im Ernst jetzt, warum sollte ich das glauben?“

„Siehe!“ sagte der Gottesbote. Und sie sah. Ihm direkt ins Gesicht. Ihr schien, er würde lächeln. Über den Messias-Spruch? Er erklärte es nicht:

„Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn“

„Elisabeth, die ist doch irgendwie 70 oder sowas? Und ist sie nicht…“

„In ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie …“

„… unfruchtbar?“

„… unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.“

„Das weiß ich wohl. ‚Der Allmächtige, gepriesen sei er‘ und so. Aber wir hatten das mehr so allgemein gesagt.“

Der Bote blickte sie an. Wartete er auf etwas? Für einen Moment ging sein Blick über ihre Schultern. Sie drehte sich um. Da war nur der leere Weg. Der Fluchtweg? Oder ein anderer Weg?

„Elisabeth ist schwanger?“ flüsterte sie. „Das will ich sehen.“

Der Bote stand immer noch da. Warum verschwand er nicht? In den Schriften taten das die Malachim – oder die Angeloi, wie die Griechen sagten – doch immer: Sagten, was zu sagen war, und verschwanden.

Wartete er auf etwas? Er blickte ihr jetzt wieder direkt ins Gesicht. Sollte das fragend oder herausfordernd sein? Sollte sie etwas sagen?

„Also was du mir gerade erzählt hast, klang jetzt nicht so, als würde ich ne Wahl haben, oder?“ Die Worte klangen richtig, fühlten sich aber nicht so an.

„Ich meine, der Allmächtige, gepriesen sei er, ist der Boss, oder?“

Der Bote schaute jetzt wieder über ihre Schultern. Auf den Fluchtweg?

„Siehe!“ sagte Mariam, und der Bote sah sie an. Direkt ins Gesicht. „Ich bin des Herrn Magd.“

Die Augen des Boten weiteten sich ein bisschen. Er öffnete die Hände, als wollte er fragen: „Und?“

Mariam bekam die Worte fast nicht heraus, und gleichzeitig konnte sie nicht anders, als sie zu sagen. So brachen sie hervor, gemeinsam mit den Tränen: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“

Sie war allein. Die Sonne stach. Der sandige Weg lag hinter ihr. Wenn sie sich umdrehte, vor ihr.

„Was war das denn?“ fragte sie sich selbst. Sie hoffte, dass jetzt niemand da war und zuhörte.

„Muss die Sonne gewesen sein. Klar. War ne harte Woche.“ Sie strich sich den Sand von der Kleidung. „Schwanger, ich, ohne Mann, ja nee is klar. Aber schwanger? Elisabeth? Ich hab sie lang nicht besucht. Ich könnte ja mal, ganz unverbindlich, also nicht, dass ich es glauben würde. Ich hab mir irgendwas zusammengeträumt. Aber ich war wirklich lange nicht bei ihr.

Ich muss das Rivka und Sara – oder besser nicht. Die glauben mir doch nicht. Aber Eli könnte ich besuchen.“ Sie war immer noch etwas benommen. „Meine Fresse, was war das? Die Männer würden sagen, ich brauche jetzt erstmal einen Schluck -oh!“

Wo eben der Bote gewesen war, stand ihr Wasserkrug, bis zum Rand gefüllt. Der Weg nach Hause war kurz. Aber Mariam hatte einen längeren Weg vor sich.

Lebensschutz fürs Staatsvolk: idea, die AfD und die Abtreibung

(Was sich eigentlich von selbst versteht, benenne ich hier noch einmal: Jeder Blogbeitrag ist ein Diskussionsbeitrag. Ich versuche hier, sachlich und ohne Polemik zu schreiben. Wenn ich an einer Stelle einem Missverständnis erliege, bitte ich um sachliche und unpolemische Hinweise darauf.)

Noch immer gehöre ich zu den Abonnenten von „ideaSpektrum“. Ich komme aus dem evangelikalen Rennstall, habe diese Prägung auch nie hinter mir gelassen, sondern lediglich in etwas Größeres mitgenommen. Und ich will die Diskussionen, die dort stattfinden, mitbekommen und hin und wieder auch mitreden.

In letzter Zeit beobachte ich (es ist fast unmöglich, das nicht zu beobachten) dort eine große Sympathie für die Partei „Alternative für Deutschland“, in der Redaktion, noch mehr aber in Leserbriefen. Dabei sind die wenigsten Evangelikalen völkisch oder national gesinnt. Sie können europäischer Solidarität etwas abgewinnen, und ihre Gemeinden sind ethnisch häufig sehr bunt und mehrsprachig. Darin unterscheiden sie sich von dem Klischee der typischen AfD-Wähler. Für die Sympathie gibt es wohl einen anderen Grund, der sich ungefähr in dem einen Satz zusammenfassen lässt „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Der „Feind“ wird vor allem in zwei Punkten ausgemacht: 1. „dem Islam“, 2. „der Abtreibung“.

Was „den Islam“ angeht, habe ich das Argument nie so richtig verstanden. Mission und Evangelisation sind ein Markenkern des Christentums und werden vor allem von Evangelikalen hochgehalten. Wenn man nun für die Mission unter Andersgläubigen nicht mehr in den Busch oder die Wüste fahren muss, sondern sie zu uns kommen – wie viel netter kann Gott zu seinen Leuten noch sein? Hätten die Apostel, Mönche und Missionare die anderen Religionen als Bedrohung verstanden, wäre das Christentum eine kleine Sekte im Morgenland geblieben. Selbst wenn es „Masseneinwanderung“ von Muslimen geben sollte – Christen sehen das nicht als bedrohliche „Islamisierung“, sondern als Gelegenheit zur Mission.

Der zweite „Feind“ verdient ein bisschen mehr Diskussion. Denn nicht selten wird das Mantra wiederholt, die AfD sei „die einzige Partei, die sich gegen Abtreibung ausspricht“. Und ich fragte mich zunehmend: Stimmt das?

Lasst mich ein bisschen ausholen:

  1. Ich bin auch „gegen Abtreibung“. Ich bin der Ansicht, dass bei einer Schwangerschaftsunterbrechung ein Mensch getötet wird. Das liegt vor allem daran, dass ich nicht es für möglich halte, irgendwo in der Entwicklung eines Menschen die Grenze zu ziehen, ab der es ein Mensch ist. Ich kann sie aber nicht „Mord“ nennen: Für deutsches Recht fehlen in der Regel Mordmerkmale, und auch das hebräische Wort „razach“ aus dem 5. Gebot (lutherische Zählung) heißt „morden“ und umfasst nicht alle Anlässe der Tötung eines Menschen. Aber ich glaube, unabhängig davon lehne ich mich theologisch nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich aus dem Gesamtzeugnis der Bibel ablese: Gott will, dass Menschen leben. Um davon abzuweichen, muss es sehr gute Gründe geben.
  2. Ich weiß von keiner Partei, die „für Abtreibungen“ ist. Niemand hasst Embryos oder sieht Kinder als Bedrohung für unser Land. Die politische Diskussion dreht sich nicht um die Frage, ob man Abtreibungen gut oder schlecht findet, sondern wer darüber unter welchen Gesichtspunkten zu entscheiden hat. Und da man die vor allem betroffene Person, nämlich das ungeborene Kind, nicht fragen kann, muss man entscheiden: Wen dann? Seine nächste Angehörige? Noch andere Menschen? Oder sollte es nicht im Einzelfall, sondern generell entschieden werden, mit Festlegung möglicher Ausnahmen? All das lässt sich nicht in „für“ oder „gegen“ fassen.

Aber wie ist die Ansicht der AfD zu dem Thema? KritikerInnen der Partei werden immer wieder darauf hingewiesen, man sollte nicht Äußerungen Einzelner pauschal auf die ganze Partei übertragen, sondern bitte das Wahlprogramm lesen. Das hat bei dieser Frage schon deswegen Sinn, weil Einzelne sich sehr selten dazu äußern.

Das Wahlprogramm („Programm für Deutschland“) zur letzten Bundestagswahl gibt es in einer Langfassung und einer Kurzfassung. Die Position zum Thema findet sich im Kapitel zur Familienpolitik. Das Wort „Abtreibung“ kommt nur in der Langfassung dreimal vor. Die Kurzfassung schreibt „Tötung Ungeborener“.

Liest man in der Langfassung nur die Sätze unter der Überschrift „Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene“ ohne Kontext, scheint sich das Lob der Lebensschutz-Fraktion auf den ersten Blick zu bestätigen:

Die Alternative für Deutschland setzt sich für eine Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene ein. In Deutschland kommen auf rund 700.000 Lebendgeburten pro Jahr ca. 100.000 Schwangerschaftsabbrüche. Dabei liegt nur bei drei bis vier Prozent eine medizinische oder kriminologische Indikation vor, in allen anderen Fällen wird der Schwangeren nach einer Beratung eine Bescheinigung ausgestellt, die ihr eine straffreie Abtreibung aus „sozialen Gründen“ ermöglicht. Ein Schwangerschaftsabbruch stellt eine einschneidende Erfahrung für die Betroffenen dar und kann zu langanhaltenden Schuldgefühlen, psychosomatischen Beschwerden der depressiven Reaktionen führen. (Wahlprogramm Langfassung S. 44).

Das dürfte stimmen (hab die Zahlen nicht kontrolliert) und wird auch von niemandem bestritten – auch nicht von denen, die die Mutter entscheiden lassen wollen.

Die AfD steht für eine Kultur des Lebens und ist im Einklang mit der deutschen Rechtsprechung der Meinung, dass der Lebensschutz bereits beim Embryo beginnt. Wir fordern daher, dass bei der Schwangerenkonfliktberatung das vorrangige Ziel der Beratung der Schutz des ungeborenen Lebens ist. Werdenden Eltern und alleinstehenden Frauen in Not müssen finanzielle und andere Hilfen vor und nach der Entbindung angeboten werden, damit sie sich für ihr Kind entscheiden können. Adoptionsverfahren sind in diesem Zusammenhang zu vereinfachen. (ebd.)

Dies ist der gelobte Passus. Satz 1 sagt dabei selber, dass er im Einklang mit der deutschen Rechtssprechung steht. Satz 2 „fordert“ genau das, was längst Rechtslage ist:

StGB § 219 (1): 1Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. 2Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. 3Dabei muss der Frau bewusst sein, dass das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und dass deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, dass sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. 4Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen.

Da gibt es also eigentlich nichts zu fordern, sondern nur das geltende Recht zu loben. Da hat der alte Bundestag gute Arbeit gemacht.

Die anderen Sätze sind Forderungen nach angemessenen Konsequenzen aus geltendem Recht, wie es sie größtenteils schon gibt. Aber soziale Unterstützung kann es nie zu viel geben.

Die AfD wendet sich gegen alle Versuche, Abtreibungen zu bagatellisieren, staatlicherseits zu fördern oder sie gar zu einem Menschenrecht zu erklären. (Wahlprogramm Langfassung S. 44)

Da wäre interessant, wo die AfD solche Versuche sieht. Das scheint das Missverständnis zu sein, welches ich oben unter 2. anspreche.

Der Kernpassus zum Thema Abtreibungen wirkt also im Großen und Ganzen aus konservativ-christlicher Sicht ganz okay, ist aber eigentlich keine Abweichung von dem, was derzeit sowieso gilt. Kein Grund für Evangelikale, nun gerade diese Partei zu unterstützen.

Interessanter – nein: bedenklicher! – wird das Ganze, wenn wir es im Kontext lesen. Das Kapitel „Familie und Kinder“ beginnt mit den einleitenden Worten:

Der AfD ist es ein wichtiges Anliegen, gewachsene kulturelle und regionale Traditionen und bewährte Institutionen zu schützen. Sie geben den Menschen Halt und Bindung.

Insbesondere Ehe und Familie garantieren als Keimzellen der bürgerlichen Gesellschaft den über Generationen gewachsenen gesellschaftlichen Zusammenhalt und genießen daher zu Recht den besonderen Schutz des Staates. (Wahlprogramm Langfassung S. 40)

Was die Gesellschaft zusammenhält, ist also „seit Generationen gewachsen“. Man könnte auch sagen: Abstammung.

Man fragt sich unwillkürlich, wie viel Platz die bürgerliche Gesellschaft für Menschen hat, die nicht schon zu diesen Generationen gehören. Zugezogene etwa, wie zum Beispiel meine Frau. Und was ist mit unseren Kindern?

Da ist es nur konsequent, wenn der zweite Abschnitt des Kapitels dann auch die Überschrift trägt „Mehr Kinder statt Masseneinwanderung“. Das hatten vor 18 Jahren die Republikaner in Verkürzung eines Jürgen-Rüttgers-Zitates schon mal griffiger gesagt „Kinder statt Inder“. Aber das waren ja auch Rechtsradikale.

Der Abschnitt beginnt mit:

Den demografischen Fehlentwicklungen in Deutschland muss entgegengewirkt werden. Die volkswirtschaftlich nicht tragfähige und konfliktträchtige Masseneinwanderung ist dafür kein geeignetes Mittel. (Wahlprogramm Langfassung S. 41)

Mit „demographischen Fehlentwicklungen“ ist wohl gemeint: Es gibt mehr Alte als Junge. Was zunächst mal eine Entwicklung ist, die Probleme mit sich bringt, aber sachlich gesehen, noch keine „Fehlentwicklung“.

Etwas unerwartet kommt hier das Schlagwort der „Masseneinwanderung“. Ich dachte, es ginge um Kinder? Aber sei’s drum!

Nun ist „Masse“ kein klar definierter Begriff (ähnlich wie bei „Massentierhaltung“). Man kann es also unterschiedlich empfinden, ab wann eine Anzahl von Menschen, die zu uns ziehen, „Masseneinwanderung“ ist. „Masse“ ist immer ein polemischer Begriff, nie sachlich. „Masse“ bedeutet in politischen Auseinandersetzungen immer lediglich „mir ist es zu viel“. „Konfliktträchtig“ wird Einwanderung also auch nicht durch die tatsächliche Anzahl, sondern vor allem durch diejenigen, die diese Anzahl als „Masse“ empfinden, denen es also zu viele sind. „Volkswirtschaftlich nicht tragfähig“ ist auch wiederum keine Frage der Anzahl, sondern des Umgangs mit den Menschen, die zu uns kamen. Stichworte Integration, Inklusion und, liebe Christen, Mission!

Bekämen wir das hin, wäre Zuwanderung vieler Menschen durchaus ein geeignetes Mittel, demographischen Problemen entgegenzuwirken. Hauptproblem ist dabei der gemeinsame Wille.

Die AfD macht nun einen anderen Vorschlag:

Vielmehr muss mittels einer aktivierenden Familienpolitik eine höhere Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung als mittel- und langfristig einzig tragfähige Lösung erreicht werden. (ebd.)

Die Politik muss dafür sorgen, dass mehr Kinder gezeugt und geboren werden. Und zwar von wem? Von der „einheimischen Bevölkerung“. Oder, wie es die Kurzfassung schreibt:

Der Erhalt des eigenen Staatsvolks ist vorrangige Aufgabe der Politik und jeder Regierung.

Eine kinderfreundliche Gesellschaft und der Erhalt des Staatsvolks sind daher als Staatsziel in das Grundgesetz aufzunehmen. (Wahlprogramm Kurzfassung S. 21)

Das Staatsvolk ist es also, das wachsen muss und erhalten werden soll, in unserem Land also das „deutsche Volk“.

Ein Wahlplakat 2017 hatte es schon mal zusammengefasst „Neue Deutsche? Machen wir selber!“ (googelt es, wenn Ihr es sehen wollt.)

In dem Zusammenhang hatte ich in Diskussionen im Internet schon häufiger AfD-Vertretern die Frage gestellt, ob denn meine beiden blonden deutschen Töchter als „neue Deutsche“ mitgezählt würden, da ja ihre Mutter zum Zeitpunkt ihrer Geburt noch keine deutsche Staatsbürgerin war. Ich habe leider nie eine Antwort bekommen. Liebe AfD, wenn Ihr es lest, ich wüsste es wirklich gern.

Der Familienpolitik der AfD geht es also in erster Linie um den Erhalt des „Staatsvolkes“. Dazu dient natürlich eine „höhere Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung“.

In diesem Kontext müssen die Aussagen der AfD über Abtreibungen und den Schutz ungeborenen Lebens gelesen werden. Es geht ihr vorrangig um den Schutz des ungeborenen deutschen Lebens.

Wenn eine in Deutschland lebende Holländerin, Syrerin, Russin oder Eritreerin vor dieser schweren Entscheidung steht, liegt aufgrund dieses Kontextes die Vermutung nahe, dass die Antwort der AfD weniger „evangelikal“ ausfiele. Vielleicht würden sie ihr sogar Mut dazu machen, und zur Sterilisation gleich dazu, wenn sie nicht in die Heimat ziehen und dort Kinder bekommen will.

Das ist freilich Spekulation, denn die AutorInnen des Wahlprogramms sind schlau genug, zu so konkreten Fragen nichts zu schreiben.

So äußern sich Evangelikale und AfD zwar im Wortlaut ganz ähnlich zum Thema Abtreibungen. Sie tun es aber aus völlig unterschiedlichen Gründen. Die Evangelikalen wollen jedes ungeborene Leben schützen, die AfD in erster Linie das Staatsvolk erhalten.

Das „Volk“ ist für Christinnen und Christen aber keine wichtige Kategorie. Für sie gilt, dass es in Christus weder „Jude noch Grieche“, weder Deutschen noch Syrer gibt, sondern alle das gleiche Lebensrecht haben, ungeboren oder geboren. Diese Idee ist von der AfD weiter entfernt als vom Islam.

Die Position der AfD zum Thema Abtreibung kann also, wenn man sich näher damit beschäftigt, kein Grund für Evangelikale sein, diese Partei zu unterstützen. Es wäre schön, wenn auch die Redaktion von ideaSpektrum dies immer wieder deutlich machte.

Warum „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ ein unchristlicher Satz ist

Ja, ich faste Social Media, aber bloggen zählt nicht dazu, da ist bei mir die Suchtgefahr auch nicht so groß, aber ich weiß natürlich, dass dies in meinen Accounts auftauchen wird. Ist halt ein Lebenszeichen, was soll’s?

Hab auch zuerst überprüft, ob Philipp Kurowski oder Michael Coors nicht bereits etwas dazu geschrieben haben, was in dem Fall ungleich klüger wäre als alles, was ich hier verbreiten könnte. Haben sie nicht. Darum darf ich:

Die Debatte, ob „der Islam“ (was ist das?) zu „Deutschland“ (was ist das?) „gehört“ (was ist das?) ist alt und nervig, und der Satz, ob mit oder ohne Negierung, eigentlich völlig ohne Aussage, weil er nur drei Chiffren enthält, die jeder füllen kann, wie sie will. Verständlich wird er erst durch Kontext und Begründung.

Jetzt hat der Herr Innenminister ihn wieder mal rausgehauen, mit Negierung natürlich. Wie er das meint – außer der Intention zu poltern und andern die Show zu stehlen – erklärt sich erst aus der Begründung, die er nachlieferte:

„Dass Deutschland geschichtlich und kulturell christlich-jüdisch und nicht islamisch geprägt ist, kann doch niemand ernsthaft bestreiten.“

Könnte man durchaus und auf den Einfluss des Islam auf Kultur, Wissenschaft und Medizin in Europa hinweisen. Eine Erinnerung an die Bedeutung der Mauren für die Medizin könnte auch die derzeitige Debatte über so manche „Mohren-Apotheke“ entschärfen. Auch käme es gut an, wenn ein ehemaliger Gesundheitsminister mal von Averroes oder Avicenna gehört hätte. Aber vielleicht ist Einfluss noch etwas anderes als Prägung. Dann würde der Satz stimmen.
Man könnte auch fragen, ob es einer christlich-jüdisch geprägten Kultur nicht gut zu Gesicht stünde, Menschen in Not bedingungslos aufzunehmen und mit ihnen unseren Reichtum zu teilen. Lassen wir auch das heute mal und stimmen dem Herrn Innenminister for the sake of the argument zu. Dann ergibt sich folgende Regel: Wenn ein Land in seiner Kultur von einer Religion geprägt sei, dann gehöre eine andere Religion nicht zu diesem Land.

Deutschland jüdisch-christlich geprägt. Ja, das stimmt historisch. Denn auch wenn der nahöstliche Erlöserkult nicht aus Deutschland stammt – das Deutschland, das wir mit einigen Modifikationen seit Karl dem Großen kennen, ist weder territorial noch ethnisch noch kulturell das Germanien, in das dieser Erlöserkult mal kam.

Gehört damit keine andere Religion dazu? Sind uns zwar die jeweiligen Gläubigen grundsätzlich als Mitbürgerinnen willkommen, aber ihre Religion darf bitte nicht  kulturprägend wirken?

Das müsste dann ja auch umgekehrt gelten. Dass die Türkei oder der Iran, Malaysia oder die Malediven geschichtlich und kulturell durch den Islam geprägt sind oder Sri Lanka oder Mynmar durch den Buddhismus und nicht durch das Christentum, kann doch auch niemand ernsthaft bestreiten. (Siehe oben die Gedanken zur Unterscheidung von Einfluss und Prägung.) Nach dieser Logik gehört das Christentum nicht zur Türkei oder zum Iran. Wer als Christ in diesen Ländern nicht nur im Sinne eines „religiösen Existenzminimums“ im stillen Kämmerlein glauben, sondern seinen Glauben wirklich ausüben möchte, soll sich eben nicht wundern, wenn das in diesem Land nicht geht und Verstöße unter Strafe stehen. Kann ja nach Deutschland auswandern. Ach so, nee …

Sich als CSU-Politiker in Zukunft für, sagen wir mal, den Bau von Kirchen in der Türkei einzusetzen, geht mit der Logik natürlich nicht mehr. Denn das Christentum gehört ja nicht zu einem islamisch geprägten Land.

So meint der Herr Innenminister das wohl nicht, aber es ist blöderweise die logische Konsequenz aus der Begründung seiner Äußerung. Außer er wollte der einen Religion mehr Rechte zugestehen als der anderen, was wieder ein problematisches Verständnis des Rechtsstaats wäre – und das kann ich mir bei einem Innenminister nicht vorstellen (*scnr*). Die Begründung seiner Islam-Äußerung ist darum ein Schlag ins Gesicht für Christinnen und Christen weltweit, die unter Einschränkungen und Verfolgung zu leiden haben. Ihnen wird, wenn sie auf Religionsfreiheit pochen, dieselbe Logik begegnen. Pech gehabt. Verfolgte Christinnen und Christen haben einen weiteren glaubwürdigen Fürsprecher in Deutschland verloren.

Wer die Zugehörigkeit einer Religion zu einem Land jeweils auf das Land beschränkt, das schon durch sie geprägt ist, hat Religion nicht verstanden. Man kann Religionen mit mehr oder weniger (meist weniger) guten Gründen komplett ablehnen. Dann gehören sie nirgendwo hin. Oder man respektiert sie in ihrem Selbstverständnis. Dann gehören sie überall hin, oder es sind keine Religionen, sondern bloß Regionalkulte. Dass eine Religion nur an manche Orte gehört, aber an andere nicht – dieser Gedanke ist dem Christentum, das unser Land doch geprägt hat, völlig fremd. Christinnen und Christen in anderen Ländern wissen das noch, unser Innenminister scheint es vergessen zu haben.

Als unser damaliger Bundespräsident den umstrittenen Satz getan hatte, dass der Islam zu Deutschland gehöre, trat er übrigens zwei Wochen später in der Türkei auf, wo man die Debatte sicher aufmerksam verfolgt hatte, und sagte dort: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei.“ Er hatte es verstanden.

 

Was Sie in der Vorweihnachtszeit auf keinen Fall tun sollten …

Schön, in diesen Tagen eine Weihnachtsfeier begehen zu können. Ja, ich würde sogar sagen: Feiern. Denn wenn Weihnachten dann erstmal losgegangen ist, dann hat man ja für Weihnachtsfeiern gar keine Zeit. Also besser, wir ziehen es vor. So wie Aldi und Lidl und die anderen. Nicht in den September, aber in den Advent.

Um die Adventszeit so richtig vorweihnachtlich genießen zu können, gibt es ein paar Dinge, die man unbedingt braucht. Und ein paar, die man auf jeden Fall vermeiden sollte.

Was braucht man unbedingt für eine besinnliche Vorweihnachtszeit? Lebkuchen und Kinderpunsch, leichte Weihnachtslieder aus dem Radio oder sogar selbst gesungen. In der dunklen Jahreszeit viele kleine Lichter anmachen. Wenn’s geht, Schnee.
Ich bin selber in diesen Tagen auch über den Weihnachtsmarkt gelaufen, natürlich nur zu wissenschaftlichen Zwecken: Ich habe einen äußerst gewagten Selbstversuch gemacht und kann jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen: Ein Weihnachtsmarkt ist, zumindest vormittags, auch nüchtern sehr gut zu ertragen. Wissen viele nicht.

Ein paar Wochen sich so als Familie zu Hause und als Gesellschaft zusammen es sich ein bisschen schönmachen. Ein bisschen heile Welt spielen, nur zwischendurch mal, wir wissen es ja besser. Aber das darf doch auch mal sein. Natürlich.

Es gibt nur eins, was Sie auf jeden Fall vermeiden sollten, wenn Sie nicht wollen, dass Ihnen die schöne Vorweihnachtsstimmung verdorben wird. Ich warne Sie nur einmal: Betreten Sie auf keinen Fall eine Kirche. Vier Ausrufezeichen!

Tun Sie’s nicht. Glauben Sie mir, ich kenn mich da aus.

Denn in der Kirche, da bekommen Sie teilweise tatsächlich etwas vom wahren Leben zu hören. Von der Realität. In der Vorweihnachtszeit! Die haben doch wohl nicht alle Kerzen am Kranz!

Hören Sie nur mal Worte aus dem Predigttext für den 2. Advent:

Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsere Widersacher haben dein Heiligtum zertreten. Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde. Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen, wie Feuer Reisig entzündet, wie Feuer Wasser sieden macht, dass dein Name kundwürde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten, wenn du furchtbares tust, dass wir nicht erwarten. (Jesaja 63f)

Oder hier, aus dem Neuen Testament, da gilt ja meist als etwas netter:

Und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. (Lukas 21)

Es ist, als würde man die Tagesschau anmachen, nur noch schlimmer. Noch verdichteter. Die Bibeltexte der Adventszeit, und auch viele der Lieder, die dort gesungen werden, die erzählen von einer kaputten Welt, die sich nach Heilung sehnt. Von einer unerlösten Welt, die nach Erlösung schreit. So wie wir sie sonst schon das ganze Jahr haben. Ist so etwas in der Vorweihnachtszeit eigentlich erlaubt? Fünf Fragezeichen, drei Ausrufezeichen.

Klar, manche Leute sagen: Religion ist was für Leute, die vor der Realität flüchten wollen. Aber passen Sie auf. Wenn Sie wirklich vor der Realität flüchten wollen, dann machen Sie zumindest in der Adventszeit einen großen Bogen um jede Kirche!

Außer, Sie wissen, dass Sie das mit dem Ausblenden des echten Lebens doch nicht dauerhaft hinbekommen.

Dann hat man zwei Möglichkeiten: Man lässt den Trubel der Besinnlichkeit gleich und begeht den Dezember wie jeden anderen dunklen Monat auch. Oder man hofft, dass Gott selber auch nicht vor der Realität flüchtet. Darum geht es im Advent und an Weihnachten: Gott ist aus seiner perfekten Dimension, wo alles heil ist, mitten reingekommen in das wirkliche Leben. In die kaputte und unerlöste Welt. Um sie heil zu machen, um sie zu erlösen.  Um das zu hören, ist die Kirche vielleicht doch eine ganz gute Adresse. Um es zu feiern, jeder Ort.

(Überarbeitung einer kleinen Schreibübung, aus der eine Ansprache bei einer Seniorenweihnachtsfeier wurde.)

Die Anhörung

„Nummer 42 bitte!“

(Mann tritt ein und setzt sich)

„Herr Al-Rashid, schön, dass Sie’s einrichten konnten. Ich hab mir Ihre Unterlagen und den Antrag angesehen, jetzt würde ich es gern noch mal genauer von Ihnen hören. Sie sind Versorger für einen UMF, richtig?“

„Einen was?“

„UMF, unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Wie kam es dazu?“

„Ich habe doch meinen Laden an der Straße Richtung Osten. Da habe ich vor ein paar Wochen den Stand aufgemacht, da sehe ich, wie ein ganzer Anhänger voll mit Menschen angekarrt kommt. Kaum, dass ich einzelne Gesichter erkennen konnte, ist der Fahrer abgesprungen und davongerannt. Die Menschen auf dem Anhänger sind sofort in die Stadt reingelaufen. Nur dieser Junge blieb übrig. Stand da einfach so rum.“

„Und Sie haben ihn erstmal zu sich genommen? Einfach so?“

„Was hätte ich sonst tun sollen? Er konnte da ja nicht in der Hitze stehenbleiben.“

„Hatten Sie da keine Bedenken? Man hört ja, dass die jetzt sogar Kinder für ihre Zwecke einsetzen.“

„Die?“

„Na die selbsternannten Freiheitskämpfer, da im nahen Osten.“

„Und dann hätte man ihn verdursten lassen sollen?“

„Naja, nein, nicht sofort, ich meine … erzählen Sie doch mal weiter. Wie alt ist der Junge?“

„Das kann ich nicht genau sagen.“

„Ist bei denen auch immer schwer zu erkennen, nicht wahr.“

„Mindestens 3, höchstens 5, würde ich sagen.“

„Und da schickt man ihn allein los? Haben die da drüben denn keine Jugendämter?“

„Das müssten Sie als Sachbearbeiter besser wissen als ich.“

„Wissense, da müsste ich mich auch erst schlau machen. Ist meine erste Woche hier.“

„Kenn ich.“

„Aber ich meine, es ist doch äußerst ungewöhnlich, dass ein höchstens 5-jähriger auf so eine Reise allein geschickt wird.“

„Es war wohl so auch nicht geplant. Er selber spricht unsere Sprache kaum, aber er hatte ein Schreiben seiner Eltern mit. Ich meine, ich habe Ihnen das auch geschickt.“

„Richtig richtig. Die Eltern behaupten, dass sie mit ihm gemeinsam auf der Flucht waren.“

„Genau. Anscheinend bestand für das Kind dort, wo sie waren, akute Lebensgefahr.“

„Was hatte es denn angestellt?“

„Wenn ich es richtig verstehe, nichts. Aber sein Geburtsort wird wohl von der Regierung als Herd des Aufstandes gesehen. Und jetzt hat der Herrscher angeordnet, an den Kindern ein Exempel zu statuieren.“

„Psychologische Kriegsführung. Wenn die Kinder in Gefahr sind, werden die Eltern gefügig. Grausam.“

„So ähnlich war es wohl. Das müsste man die Eltern fragen.“

„Ja, genau, was ist jetzt mit den Eltern?“

„An der Grenze aber ging es nicht weiter. Sie können sich vorstellen, dass die Familie nicht auf den Hauptstraßen unterwegs war. Man brauchte Leute, die sich auskennen.“

„Schlepper.“

„Wenn Sie es so nennen wollen. Und die brachten sie bis zu einem abgelegenen Bergpass und sagten dann, sie wollten mehr Geld.“

„Hört man ja immer wieder.“

„Sie sagten, sie hätten nur mit einem Menschen geplant, und jetzt mit dreien sei das ein viel zu großes Risiko, sie müssten mehr Geld haben.“

„Was die Familie nicht aufbringen konnte.“

„Sie hatten wohl zu Hause mehr. Geschenke noch von der Geburt. Aber sie waren sehr schnell aufgebrochen, nur mit dem nötigsten.“

„Und dann haben die Eltern diese Nachricht geschrieben und ihr Kind allein den Schleppern mitgegeben?“

„So scheint es.“

„Das ist ja wahnsinnig leichtsinnig!“

„Es scheint, die Familie hat ein ziemlich starkes Gottvertrauen.“

„Leichtsinnig finde ich es trotzdem. Der Junge hätte ja bei wer weiß wem landen können.“

„Er ist ja jetzt bei mir. Und verstehen Sie mich richtig, er ist ein Prachtkerl. Hilft mir sogar schon an manchen Tagen im Laden. Aber nachts höre ich, wie er sich hin und her wälzt. Manchmal weint er sich in den Schlaf. In anderen Nächten wache ich auf, weil jemand ‚Abba‘ ruft, das heißt ‚Papa‘ in seiner Sprache. Aber ich weiß, er meint nicht mich. Dann lausche ich und höre ihn mal nach Mutter, mal nach Vater schreien. Ich weiß nicht, was er alles durchgemacht hat, aber er verarbeitet im Traum eine Menge schrecklicher Ereignisse.“

„Scheint, dass der Junge psychologische Hilfe braucht, oder?“

„Vor allem braucht er seine Eltern!“

„Und das ist nun der Anlass für Ihren Antrag.“

„Genau.“

„Ja, ich hab es hier stehen. Familiennachzug. Die Eltern sollen dem Jungen hinterher reisen dürfen.“

„Das … das ist der Antrag.“

„Also ich sag’s Ihnen ehrlich, Herr Al-Rashid. Ich hab ja die Regeln nicht gemacht. Aber da gibt es schon ein paar Sachen, die wir überprüfen müssten. Das Schicksal dieses Kindes ist natürlich ganz bedauerlich. Wenn es denn stimmen sollte.“

„Davon sollte man ausgehen.“

„In den Nachrichten war nichts davon.“

„Als ob unsere Leute sich dafür interessieren würden. Hier geht es doch nur um sichere Grenzen.“

„Ja ja, aber auch wenn es stimmt, der Junge ist ja jetzt erstmal in Sicherheit. Den Eltern droht keine akute Gefahr. Und es muss ja auch vermieden werden, dass sie bloß in unsere Sozialsysteme einwandern, nicht wahr?“

„Da müssen wir uns keine Sorgen machen. Der Vater ist Handwerker, der kann für sich und die Familie selbst sorgen.“

„Also unseren Leuten die Arbeit wegnehmen?“

„Was?“

„Wie gesagt, ich hab die Regeln nicht gemacht. Man hört auch, dass die weiter oben gerade neu verhandeln, wie das mit dem Nachzug von Angehörigen sein soll. Der Junge wird ja auch nicht politisch verfolgt, sondern sollte bloß erstmal aus der Schusslinie, nicht wahr. Wenn die Lage sich ändert, kann er ja problemlos zurück.“

„Das will er ja auch, aber wer weiß, wie lang das dauert!“

„Das weiß man nie. Aber wir können doch nicht alle aufnehmen, denen es schlechter geht als uns. Das wird also nicht ganz einfach mit dem Familiennachzug.“

„Aber sie prüfen den Antrag?“

„So gründlich wie es geht. Vielleicht lässt sich da ja was machen. Und bis dahin ist er ja gut bei Ihnen aufgehoben, der kleine – wie sagten Sie, heißt er?“

„Jesus.“

 

(mit ein bisschen Inspiration von und Dank an Susanne Niemeyer)

5 neue Ablassthesen Martin Luthers entdeckt

Wittenberg / Bielefeld – Hätte die Reformationsgeschichte völlig anders verlaufen können? Darauf deutet ein Sensationsfund von Archäologen der Universität Bielefeld hin, der bei den Bauarbeiten zur Renovierung der Wittenberger Schlosskirche zutage trat.

„Wir haben es erst selbst nicht geglaubt, aber die Nummerierung und die unverkennbare Handschrift ließen am Ende keinen Zweifel mehr zu“, äußert sich Prof. Dr. Margrit Waendehamer immer noch sichtlich bewegt. „Schon lange haben Lutherforscher gefragt, warum es genau 95 Thesen waren. Ist ihm einfach nichts mehr eingefallen oder was? Ich meine, wir reden hier von Martin Luther!“ Aber die Lösung scheint noch prosaischer. „Allem Anschein nach hat er die Thesen 96-100 auf ein weiteres Blatt geschrieben. Dieses ist ihm dann auf dem Weg zur Schlosskirche verloren gegangen, was er in der Dunkelheit des Allerheiligenvorabends nicht bemerkte. Wahrscheinlich hat eine Ratte sie in ihren Bau geschleppt, das Papier für ungenießbar befunden und wurde dann in einer Luftblase unter einer Kürbislaterne isoliert. Erst jetzt im Zuge der Öffnung des Bodens konnte das fehlende Blatt sichergestellt werden.“

Reformationsbotschafterin Margot Käßmann zeigt sich erstaunt und leicht angeheitert von der Meldung. „Das eigentlich Erstaunliche ist doch gar nicht der Fund oder gar“ – sie schmunzelt – „der Inhalt des Schriftstücks, sondern der Umstand, wie naheliegend diese Antwort auf die Frage nach der Anzahl war. Natürlich waren es 100 Thesen, das war eine runde Zahl. Jemand wie der Marburger Theologe Rudolf Bultmann wäre wahrscheinlich sofort drauf gekommen, dass da ein Blatt verlorengegangen sein muss. Aber der hat sich ja bloß immer fürs Neue Testament interessiert.“

Ganz uninteressant ist der Inhalt der Thesen 96 bis 100 freilich gerade für die Ökumene nicht. Darin äußert sich der damalige Wittenberger Professor explizit zur finanziellen Situation der Kirche und zur Lösung ihres Schuldenproblems. So schreibt er:

96. Man soll die Christen vermahnen, dass es ein gar unchristlich Geschäft sei, Geld auf Zins zu verleihen, wie denn auch Moses schreibt Leviticus 25.
97. Desgleichen soll man lehren, es sei nicht recht, dass die Kirche mit auf Zins geliehenem Gelde einen Dom baue.
98. Wo dergleichen aber geschehen, muss die Kirche sich befleißigen, die Schulden samt Zins recht bald zu begleichen.
99. Es ist aber kein rechter Umgang mit des Papstes Ablass, diesen zu solchem Zwecke für Geld zu verkaufen.
100. Dem abzuhülfen gedenke ich, weitere Schriften, etwa von Ablass und Genaden sowie von der Freiheit eines Christenmenschen, einen Katechismus und, so es die Zeit erlaubt, eine teutsche Übersetzung der Heiligen Schrift zu verfassen, den Erlös aus deren Verkauf ich der Begleichung der Schulden des Papstes gleich wie dem Bau der Peterskirche zu Rom stifte, welches ein gottwohlgefälliges Werk ist.

„Luther war an Geld bekanntermaßen wenig interessiert“, weiß auch Bert Kardinal Becker (Name geändert) vom Päpstlichen Rat zur Förderung der  Einheit der Christen. „Insofern verwundert es nicht, dass er den Erlös aus seinen Schriften zu spenden gedachte. Und seien wir mal ehrlich: Klar haben wir mit theologischer Begründung seine Lehren bis heute nicht akzeptiert. Aber die Kirche stand damals vor allem wegen ihrer Schulden bei den Fuggern unter enormem Druck. Der Verkauf der Ablässe war gewissermaßen das erste erfolgreiche Fundraising-Modell. Das haben viele protestantische Kirchen gerade in Amerika, theologisch nur leicht modifiziert, fast unverändert übernommen. Da hätten wir mal Urheberrecht drauf einklagen sollen.“ Becker findet den Faden wieder: „Da kam nun dieser Mönch und sagte, es sei theologisch gar nicht haltbar. Wenn Sie versprechen, meinen Namen da rauszuhalten: Damit hatte er natürlich Recht. Aber stellen Sie sich mal vor, wir hätten das zugegeben. Dann würden wir heute noch an der Begleichung der Zinsen sitzen.“

In diesem Licht ist Luthers Angebot, nun selbst zur Finanzierung des Petersdoms beizutragen, gar nicht hoch genug einzuschätzen. „Letztlich hätten weder Eck noch Cajetan noch der Heilige Vater selbst irgendein Interesse daran gehabt, gute andere Modelle zu unterdrücken. Vielleicht hätte man in Frankreich, Italien, Spanien weiter Ablassbriefe verkauft und in Deutschland gleich dreimal so viel Geld mit Luthers Schriften gemacht“, so Becker. „Ein bisschen hätten wir, um das Geschäft anzukurbeln, ihn zum Rebellen gegens Ausland stilisiert, sowas gefällt den Deutschen ja immer gut. Aber unterm Strich hätten die Kirche davon viel mehr profitiert als von diesem Idioten Tetzel. Und ganz nebenbei wäre es wahrscheinlich nie zur Spaltung der abendländischen Kirche gekommen. Das wäre doch auch nicht schlecht, oder?“

Dunkelheit und Windstoß an Halloween 1517 führten wahrscheinlich dazu, dass die Geschichte anders verlief. So feiert die Lutherische Kirche dieses Jahr den 500. Jahrestag der Veröffentlichung eines – wie wir jetzt wissen – unvollständigen Thesenpapiers.

Schönen Reformationstag!

Ein Hochzeitslied

Die Rückmeldungen, die meine Erstlektoren mir zu meiner Halleluja-Dichtung gaben, ließen mich ja nicht ruhen, eine gottesdienstlich taugliche kurze zu dichten. Der erste Versuch ist einer für Hochzeiten. Da hätte man nun wiederum zwei Möglichkeiten: Die klassische wäre, es als Lied der Gemeinde zu Gott für das Brautpaar zu machen. Lass Dich nicht aufhalten, Malte! Die andere, die sich bei mir eher ergab, macht es zum Lied des Brautpaares, in das die Gemeinde mit einstimmt, ähnlich wie bei den Hochzeitsfassungen des „Danke“-Liedes. Der Refrain ist auch hier nicht mit wiedergegeben, weil er sowieso klar ist.

  1. Gemeinsam kommen wir zu dir.
    Vor deinen Stufen stehen wir,
    um heute das Versprechen abzulegen,
    uns treu zu sein ein Leben lang.
    Herr, höre unsern Lobgesang,
    und sprich zu unsrer Liebe deinen Segen.
  2. Wir gehen in die neue Zeit
    bereit für Harmonie und Streit,
    vereint auf schönen und auf schweren Wegen.
    Doch wird das Leben für uns zwei
    vollkommen nur, bist du dabei.
    Auf jedem Schritt begleite uns dein Segen.
  1. Du liebtest uns von Anbeginn
    und trägst uns bis zum Ende hin,
    wenn einst wir uns zur letzten Ruhe legen.
    Lass lieben uns, wie du uns liebst,
    barmherzig sein, wie du vergibst.
    Herr, setze füreinander uns zum Segen.